Datum
18.03.2010
Antragsnummer
87/2010

Zentrale Veranstaltung und Fragen zur geplanten Gedenkstätte am Ort des früheren Gestapo-Gefängnisses

Am Ort des früheren Gestapo-Gefängnisses muss für die Zukunft die Erinnerung an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Stuttgart wachgehalten werden. Dieser Imperativ ist Grundlage unserer Überlegungen, wie mit diesem sensiblen Thema im Zusammenhang mit den Plänen für die Neugestaltung am Karlsplatz umzugehen ist.

Im Rahmen des Wettbewerbs für die Gestaltung der Gedenkstätte im Erdgeschoss und des Gedenkraumes im ehemaligen Gestapokeller muss eine überzeugende Lösung gefunden werden. Die Qualität eines Konzeptes bemisst sich nicht nach Quadratmeterzahlen.

Wichtig ist eine grundsätzliche Auseinandersetzung über den aktuellen Stand und die weitere Entwicklung einer Erinnerungskultur in Stuttgart. Dies soll im Mittelpunkt einer zentralen Veranstaltung der Stadtverwaltung stehen, die federführend von der Kulturverwaltung zu organisieren und zu der externer Sachverstand hinzuzuziehen ist.


Wir beantragen,

den Umgang mit dem Ort des früheren Gestapo-Gefängnisses zum Gegenstand einer so rasch wie möglich stattfindenden Veranstaltung der Stadtverwaltung, vorzugsweise im Großen Sitzungssaal des Rathauses, zu machen, in dem folgende Fragen behandelt werden:

1.)    Wie hat sich die Stadt Stuttgart seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit der historischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Herrschaft beschäftigt?

2.)    Welche Orte und Darstellungsformen hat die Stadt und haben Einrichtungen in privater Trägerschaft seither gewählt, um die Öffentlichkeit an den Ergebnissen dieser Aufarbeitung teilhaben zu lassen?

3.)    Wie beurteilen Fachleute die historische Authentizität des heutigen Gebäudes auf dem Platz des früheren Hotels Silber?

4.)    Legen heute noch Originale Zeugnis ab von der Zeit der NS-Herrschaft in, um oder an diesem Gebäude, das auf Grund der Schäden durch den Zweiten Weltkrieg neu gebaut werden musste?

5.)    Welche Zeugnisse aus der Zeit des Gestapo-Gefängnisses gibt es heute noch, die im Original erhalten geblieben sind, und wo befinden sie sich?

6.)    Welche Rolle spielen Archiv und geplantes Stadtmuseum im Wilhelmspalais bei der historischen Aufarbeitung und Darstellung der NS-Herrschaft in Stuttgart?

7.)    Welche Rolle spielt die Württembergische Landesbibliothek (WLB) für die Erforschung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Stuttgart?

8.)    Welche Pläne hat die Stadtverwaltung im Zusammenhang mit dem vorgesehenen Wettbewerb für den geplanten Gedenkort?

9.)    Welche Rolle könnten Einrichtungen in privater Trägerschaft, wie zum Beispiel die Stiftung Geißstraße, im Rahmen der Gedenkstätte spielen?

10.)    Wie gehen andere Städte in Baden-Württemberg und Deutschland mit der Erinnerung an die NS-Herrschaft um?




Fred-Jürgen Stradinger                 Iris Ripsam
Fraktionsvorsitzender                   stv. Fraktionsvorsitzende




Philipp Hill                                     Dieter Wahl                                  Jürgen Sauer