Datum
28.07.2011
Antragsnummer
315/2011

Biogas als regenerativen Energieträger optimal nutzen

Als erste Industrienation der Welt will Deutschland auf Kernenergie verzichten. Die Bundesregierung hat den Abschied von der Atomkraft besiegelt, der Fahrplan für den Ausstieg steht: Das letzte Kernkraftwerk soll spätestens 2022 vom Netz gehen. Daraus resultiert, dass die Energiewirtschaft einen Umbau hin zu regenerativen Energien erfährt.

Der Bioabfall aus der Braunen Tonne wird heute großteils in Kompostierungsanlagen verarbeitet. Zukünftig wird beim Bioabfall das Augenmerk aber nicht auf der Erzeugung von Kompost liegen, sondern auf dessen Eigenschaft als Energieträger. Das heißt, es wird Biogas aus ihm gewonnen. Das Gas kann zur Erzeugung von elektrischer Energie, Wärme, zum Betrieb von Fahrzeugen dienen und es kann nach Aufbereitung auch zur Einspeisung in ein Gasversorgungsnetz eingesetzt werden.

Biogas eignet sich sehr gut für einen Energiemix aus erneuerbaren Energien. Dies, weil es zum einen grundlastfähig ist, das heißt, dass das Biogas im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energieträgern wie Wind oder Sonne kontinuierlich verfügbar ist. Zum anderen lassen sich Biomasse und Biogas speichern, wodurch zum Energieangebot in Spitzenzeiten beigetragen werden kann. Deswegen bietet sich dieser Bioenergieträger zum Ausgleich kurzfristiger Schwankungen im Stromangebot aus Wind- und Sonnenenergie an. Bisher werden die meisten Biogasanlagen kontinuierlich, also als Grundlastkraftwerk, betrieben.

Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (AWS) arbeitet seit einiger Zeit an einem Konzept, wonach der Stuttgarter Biomüll energetisch verwertet werden soll und nicht mehr zum Kompostieren nach Kirchheim gebracht werden muss. Erste Überlegungen beziehen sich darauf, das entstehende Biogas zu verstromen und die dabei anfallende Abwärme an einen Großabnehmer (z.B. Schwimmbad) zu geben. Hierzu gibt es aber auch Alternativen wie zum Beispiel das Einspeisen in das Gasnetz oder der Betrieb von Fahrzeugen.

Um eine optimale Energieausbeute zu erhalten, sind drei Komponenten zu beachten:

a) Anlagenstandort
b) Anlagenbetrieb
c) Anlagengröße

Wenn diese Rahmengrößen beachtet werden und stimmig sind, dann ist eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Verwertung des Biomülls gewährleistet.

Wir beantragen:

Ein Vertreter des AWS berichtet nach der Sommerpause im Ausschuss für Umwelt und Technik über

- den Stand der Technik und deren Verfügbarkeit,
- die Vor- und Nachteile der jeweiligen Verwendung des erzeugbaren Biogases,
- die in Stuttgart umsetzbaren Möglichkeiten,
- die Vor- und Nachteile der verschiedenen Betreibermodelle,
- die zur Realisierung einer Biogas-Anlage notwendigen Beschlüsse und Ausschreibungen.





Philipp Hill             Alexander Kotz                      Dieter Wahl
                            Fraktionsvorsitzender