Datum
18.09.2015
Antragsnummer
333/2015

Ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsbetreuung unterstützen

Die Stadt hat Tausende von Flüchtlingen aufgenommen, die gut untergebracht und betreut sein wollen. Das ist in Stuttgart der Fall, nicht zuletzt dank des beispielhaften Engagements vieler Ehrenamtlicher, die sich in Flüchtlingsfreundeskreisen und bürgerschaftlichen Initiativen zu den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften organisiert haben. Dieser freiwillige Einsatz für eine gelingende Integration und für ein weiterhin friedliches Miteinander ist von großem Wert für unsere Stadtgesellschaft.

Dass in Anbetracht der enormen Herausforderung des Flüchtlingszustroms auch die Unterstützer Unterstützung brauchen, liegt auf der Hand. Die Stadt ist hier gefordert, nicht nur im Hinblick auf den Betreuungsschlüssel, der aufgrund seiner haushalterischen Konsequenz in den Haushaltsberatungen zur Diskussion gestellt werden muss, sondern auch in verschiedenerlei anderer Hinsicht:    

·    Die Betreuungstätigkeiten in den einzelnen städtischen Flüchtlingsunterkünften gestalteten sich sicher ähnlich, wenn auch mit unterschiedlichen Spezifika. Manche Arbeit könnte hier jedenfalls durch eine bessere Vernetzung der in den Freundeskreisen organisierten Freiwilligen erleichtert bzw. optimiert werden. Den Wunsch, sich auf einer stadtbezirksübergreifenden Plattform austauschen, beraten und voneinander lernen zu können, hört man verstärkt aus den Flüchtlingsfreundeskreisen und -verbänden.

·    Wichtigstes Mittel zu einer erfolgreichen Integration ist das Erlernen der Sprache. Als überaus lobenswert einzustufen ist deshalb, dass es neben dem institutionalisierten, staatlichen Angebot viele von Seiten der Freiwilligen angebotene Sprachkurse gibt und somit der „offizielle“ Mangel an Deutschlehrern ein gutes Stück weit kompensiert wird. Dieser wertvollen Ressource an freiwilligen Lehrkräften steht jedoch ein Mangel an geeigneten Schulungsräumlichkeiten in der Nähe der Flüchtlingsunterkünfte gegenüber. Da die Erlernung der Sprache einen zentralen Aspekt bei der Bewältigung des tausendfach bestehenden Integrationsauftrages darstellt, kann es sich die öffentliche Hand hierbei schlichtweg nicht leisten, die Potenziale ehrenamtlichen Engagements nur unvollständig zu heben.

·    Die Unterkünfte der Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern stellen de facto einen Schmelztiegel der Kulturen en miniature dar, mit allen sich daraus ergebenden Vorteilen aber auch Schwierigkeiten. Ist einerseits das Üben gegenseitiger Toleranz in Alltagsangelegenheiten als vorteilhaft einzustufen, so bergen andererseits die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten auch Konfliktstoff. Regelungen wie Hausordnungen u.ä. sind bei dieser Vielfalt an Lebensrhythmen nur bedingt praktikabel. Deshalb wäre hier ein zusätzlicher Personaldienst, der Orientierungshilfe für Verhaltensweisen gibt und Sicherheit gewährleistet, hilfreich.


Aus den dargelegten situativen Gegebenheiten in und um die Flüchtlingsunterkünfte ergeben sich nachfolgende Forderungen, die wir zur Prüfung bzw. Umsetzung beantragen:

Die Stadtverwaltung …

1.)    … richtet eine Stelle ein, die mit der besseren Vernetzung der Flüchtlingsfreundeskreise befasst ist, mit dem damit einhergehenden Ziel, Synergien bei der Betreuung von Asylbewerbern in den unterschiedlichen Unterkünften zu schaffen.

2.)    … eruiert, wo Räume in der Nähe der Flüchtlingsunterkünfte für die von Freiwilligen angebotenen Deutschkurse zur Verfügung gestellt werden können. Wichtig ist dabei, rasch und unbürokratisch zu Lösungen zu kommen.
 
3.)    … verfolgt im Sinne eines friedlichen Miteinanders den Gedanken weiter, Personalkräfte als Ansprechpartner und Orientierungshilfe für Fragen in Bezug auf Verhaltensregeln und Sicherheit an den Standorten der Flüchtlingsunterkünfte einzusetzen.
 
            
Dr. Fabian Mayer            Alexander Kotz            Thomas Fuhrmann
                                    Fraktionsvorsitzender

        
Fred-Jürgen Stradinger    Jürgen Sauer               Iris Ripsam