Datum
13.03.2015
Antragsnummer
85/2015

Schulkindbetreuung - Angebote schaffen, die für alle Familien passen

Die CDU-Fraktion fordert es seit langem und unterstützt dabei die Forderung der Eltern von Schulkindern: Die Flexibilität und Wahlfreiheit bei der Betreuung an Grundschulen. Das heißt, dass neben der grundsätzlich zu befürwortenden Ganztagesgrundschule auch der Halbtagesbetrieb aufrechtzuerhalten bleibt. Denn viele wollen keine starre Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr, sondern brauchen flexible Betreuungsangebote.

Deutlich werden unsere nachdrücklichen Bestrebungen in dieser Sache unter anderem durch dezidierte Anträge wie diese vom 14.2.2014, Nr. 47/2014 „Flexibilität und Wahlfreiheit der Eltern bei der Betreuung an Grundschulen II - Qualität in der Betreuung“, vom 7.2.2014, Nr. 39/2014 „Flexibilität und Wahlfreiheit der Eltern bei der Betreuung an Grundschulen. Entwicklung des Betreuungsangebots auf der Grundlage transparenter, empirisch erhobener Daten und des tatsächlichen Bedarfs“, vom  31.1.2013, Nr. 51/2013 „Betreuungsangebote für Grundschulkinder – Wahlfreiheit bedeutet auch alternative Angebote“ und vom 18.3.2013, Nr. 137/2013 „Elternbedürfnisse respektieren  - Flexibilisierung bei den Ganztagesgrundschulen und Betreuungsangebot für Halbtagesschulen umsetzen und Bewährtes fortsetzen“ sowie in den Haushaltsanträgen vom 21.10.2013 mit den Nr. 488/2013 „Horte – ein Baustein in der Schulkindbetreuung“, 489/2013 “Flexibilität in der Schulkindbetreuung“ und 490/2013 „Außerschulische Bildung und Betreuung muss fortgesetzt werden – Wünsche von Eltern und Schule respektieren“

Die Erfahrung zeigt, dass die tatsächliche Wahlfreiheit zwischen Halbtagsschule mit zusätzlichen Angeboten und der Ganztagesschule weiter schwindet. In der Praxis wird seitens der Verwaltungen von Land und Kommunen das Konzept von der Ganztagesschule konsequent verfolgt mit der Begleitkonsequenz, dass das außerschulische Freizeit- und Bildungsangebot für die weniger werdenden „Halbtagesschüler“ abnimmt. Einrichtungen aus den Bereichen Sport und Musik beklagen zunehmend fehlende Nachfrage, die sicher nicht gleichzusetzen ist mit fehlendem Interesse. Konkretes Beispiel hierfür ist etwa das bevorstehende Aus eines Kinderchors im Stadtbezirk Weilimdorf aufgrund der Bindung der Kinder an die nachmittägliche Schule.

Die Halbtagsschule droht komplett „auszutrocknen“, und mit ihr sterben gewachsene Strukturen einer gut funktionierenden sowie sinnvollen Freizeitbeschäftigung außerhalb der Schule ab. Bei aller Befürwortung und Berechtigung der Ganztagesschule ob ihrer Vorzüge, ist auch dem Wunsch nicht weniger Eltern Rechnung zu tragen, mehr wertvolle Zeit mit den Kindern verbringen zu können, was nur das Konzept der Halbtagesschule ermöglicht.

Anders als in vielen Städten gab es in Stuttgart keine Umfrage, was Familien wirklich wollen: nur Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht? Oder auch Schulen mit flexibler Betreuung? Dem Ansinnen einer solchen Elternbefragung – wie sie die CDU-Fraktion bereits beantragt hatte – hat die Mehrheit im Verwaltungsausschuss am 12. März 2014 bedauerlicherweise nicht entsprochen. Doch erkennt man erfahrungsbedingt zwischenzeitlich auch außerhalb der CDU die Negativ-Entwicklung von weniger Angeboten bei der Halbtagsschule in der unmittelbaren Umgebung beziehungsweise im Stadtbezirk, was den Einsatz für besagte Wahlfreiheit verstärkt. Und sämtliche offiziellen Umfragen zeigen, dass nur 30 Prozent der Eltern verpflichtende Ganztagesschulen wollen. Die gewachsene Vielfalt an Freizeit- und Bildungsangeboten ist deshalb erhaltenswert.

Wir beantragen:      

1.)    Die Fachverwaltung gibt einen Sachstandbericht über die Verteilung der Stuttgarter Grundschulkinder auf Ganztages- und Halbtageszüge und -klassen in den letzten drei Jahren.

2.)    Die Fachverwaltung berichtet über die Anmeldungen an Stuttgarter Grundschulen der letzten vier Jahre und getrennt nach öffentlichen und privaten Schulträgern.

3.)    Die Fachverwaltung stellt die Angebote der privaten Grundschulträger gerade im Bereich der Halbtagesschulen und der dort vorhandenen zusätzlichen Betreuungsangebote dar.

4.)    Die Verwaltung legt dar, wie in den Stuttgarter Stadtbezirken dauerhaft ein Angebot an Halbtagesgrundschulen mit zusätzlichen Betreuungsangeboten gemäß dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ aufrechterhalten werden kann. Maßgabe muss sein, in jedem Stadtbezirk bei Bedarf eine echte Wahlfreiheit zu haben, was Ganztages- und Halbtagesschule erforderlich macht.

5.)    Aufgrund der Gleichwertigkeit beider Grundschulvarianten stellt die Verwaltung Überlegungen zur Stärkung des Bildungs- und Freizeitangebots an Halbtagsschulen an, beispielhaft sei hier die Wiedereinführung des Jugendbegleiterprogramms genannt.
                

Alexander Kotz            Fred-Jürgen Stradinger         Nicole Porsch
Fraktionsvorsitzender


Iris Ripsam