Datum
28.07.2016
Antragsnummer
246/2016

Halbzeit bei der Grundschulumwandlung

Die Verwaltung hat in der Gemeinderatsdrucksache (GRDrs) 331/2016 umfassend den Stand der Schulkindbetreuung dargestellt.

Mit dem Beschluss von 2011 (GRDrs 199/2011) hat die Stadt eine Grundlage für die Einrichtung und den Ausbau von Ganztagsschulen gelegt. Das sog. Stuttgarter Modell bedeutet im Endausbau, dass die Kinder der Ganztagsklassen Anwesenheitspflicht an vier Nachmittagen haben, die Kinder der Halbtagsklassen können bis 14 Uhr betreut werden. Alle Horte sollen abgewickelt werden und Schülerhäuser als Vorstufe zur Ganztagesschule dienen.

Uns erreichen zahlreiche Rückmeldungen aus den Schulen, dergestalt, dass die starre Form der Angebote Betreuungslücken aufreißt. Denn es besteht großer Mangel an qualifiziertem Fachpersonal für die Betreuung.

Eine Vielzahl von Schulen hat bisher keine Mensa. Kinder im Halbtag erhalten oft kein warmes Mittagessen, selbst wenn sie bis 14 Uhr in der Schule sind.

In der Ganztagesbetreuung wird im Sportbereich viel Gutes mit viel Engagement geboten, was aber alles noch ausbaufähig ist. In der Kooperation Schule – Verein gibt es verstärkt Rückmeldungen, was Angebote und Inhalte angeht, da mehr Wünsche als Möglichkeiten vorhanden sind. Die Angebote von Jugendfarmen und anderen städtischen und privaten Institutionen (z.B. im musischen Bereich) können von den Kindern ebenso nur noch eingeschränkt wahrgenommen werden.

Die CDU-Fraktion hat immer darauf hingewiesen, dass die Betreuungsangebote nicht starr sein dürfen, sondern der Nachfrage entsprechend flexibel ausgestaltet sein müssen. Und so hat sie seit Einführung des Stuttgarter Modells für den Erhalt der familienfreundlichen flexiblen Nachmittagsbetreuung (verlängerte Kernzeit) plädiert.  

Die Stadt hat für die Umwandlung der Stuttgarter Grundschulen von 2012 bis 2021 mehrere hundert Millionen Euro an Investitionen und Betriebskosten vorgesehen.

Fünf Jahre nach Entwicklung des Stuttgarter Modells und nach Umstellung der Hälfte der Schulen ist es, wie auch von Bürgermeisterin Fezer im Schulbeirat angeregt, an der Zeit, eine Qualitätsanalyse vorzunehmen, um die Stuttgarter Schulen für die Zukunft kindgerecht aufzustellen. Dies auch im Hinblick darauf, dass in GRDrs 331/2016 davon ausgegangen wird, dass der Betreuungsbedarf für Kinder im Grundschulalter sowie der Klassenstufen 5 bis 7 steigt.

Wir beantragen deshalb:

1.)    Die Stadt führt eine im Schulbeirat abgestimmte Umfrage an allen Grundschulen (Eltern und Kinder) durch – im Wesentlichen zu folgenden Fragen:

Qualität:
Wie steht es um die Zufriedenheit mit der Qualität der Betreuung bei den außerunterrichtlichen Angeboten (Umfang, Vielfalt, personelle Versorgung)?
Wie qualitätsvoll ist die Ausstattung?

Betreuungsbedarf:
Wird der tatsächliche Bedarf abgedeckt, welche Zeiten fehlen?
Wird die verpflichtende Ganztagsschule gewünscht oder sollte das Modell des Stuttgarter Schülerhauses beibehalten und ausgebaut werden (wichtig ist, das Modell Schülerhaus in der Umfrage zu erläutern.)?
Wird Mittagessen benötigt?
Wie wird der Bedarf nach Klasse 4 gesehen?

2.)    Die Stadt Stuttgart soll aufgrund des feststehenden großen Betreuungsbedarfs im Halbtag (Verlässliche Grundschule bis 14 Uhr) und im Schülerhaus darauf hinwirken, dass die Landeszuschüsse auch für diese Betreuungsformen wieder gewährt werden.


    
Fred-Jürgen Stradinger        Nicole Porsch        Iris Ripsam MdB