Datum
08.03.2019
Antragsnummer
105/2019

Auf dem Weg zur Zukunft der Oper in Stuttgart

- Zentrale Fragen müssen zur weiteren Diskussion und vor einer finalen Entscheidung beantwortet werden

Seit Jahren wird in der Stadtgesellschaft und Politik die Thematik der notwendigen Sanierung unseres Operngebäudes intensiv diskutiert. Dabei geht es um die Frage der Sanierung und der Erweiterung des Littmann-Baus zum Einbau einer Kreuzbühne, den Abriss und Neubau des Kulissen- und Werkstattgebäudes sowie die Frage einer dazu notwendigen Interimsspielstätte für die mehrjährige Bauzeit.
Zweifelsohne geht es um zentrale Fragen der Zukunft unseres weltbekannten Balletts und unserer Oper. Aber es geht eben auch um Fragen der Stadtentwicklung sowie um eine gewaltige finanzielle Dimension im Bereich von über 500 Mio. € an notwendigen Investitionskosten.

Für die CDU-Fraktion ist weiterhin der sanierte Littmann-Bau als Spielstätte von Ballett und Oper, mit neuem Kulissen- und Werkstattgebäude direkt angebaut, das Ziel der Maßnahme.

Allerdings handelt es sich bei dem geplanten Projekt um eine solch große Gesamtmaßnahme, dass wir es für angebracht halten auf dem Weg zur finalen Entscheidung auch den alternativen Vorschlag einer neuen Spielstätte zu beleuchten. Beide Varianten sollten dann aus Sicht der Staatstheater, aber auch städtebaulich, technisch und finanziell bewertet werden.
In der bisherigen Diskussion sind viele Vor- und Nachteile einer Modernisierung und Erweiterung des Littmann-Baus aufgerufen worden, aber eben auch zahlreiche Vor- und Nachteile einer neuen Spielstätte für die Oper ggf. inklusive dem Ballett an anderer Stelle und einer zukünftigen anderen Verwendung des Littmann-Baus nach einer dadurch einfacheren Sanierung.
Wir sind der festen Überzeugung, dass im jetzigen Stadium zur Versachlichung der Diskussion und um später fundiert zwischen den Varianten entscheiden zu können, beide Alternativen ergebnisoffen und vertieft untersucht und zentrale Fragen dabei beantwortet werden müssen.     

Daher beantragen wir folgendes Vorgehen bzw. die folgenden Fragen im Prozess zu beantworten bzw. Aufgaben anzugehen:

Variante A – Sanierung Littmann-Bau als weiterhin bestehende Spielstätte für Oper und Ballett
1.)    Berechnung der Kosten für die Sanierung des Littmann-Baus, Einbau einer Kreuzbühne, Abriss und Neubau Kulissen- und Werkstattgebäude gemäß aktuellem Raumprogramm.
2.)    Welcher Kostenanteil davon entfällt auf die Schaffung der baulichen Voraussetzung für die Kreuzbühne?  
3.)    Berechnung der Kosten für einen Interimsstandort für Oper und Ballett während der Sanierungszeit des Littmann-Baus einschließlich Erstellungskosten sowie der Mehr-Betriebskosten bzw. Einnahmeausfällen gegenüber dem Spielbetrieb im Littmann-Bau.
4.)    Welche Teile des Interimsstandorts könnten nachhaltig nach Rückzug der Oper / Ballett in den Littmann-Bau weitergenutzt werden und für welche Nutzung? Welche anteiligen Investitionskosten entfallen auf diesen nachhaltig genutzten Teil?
5.)    In welcher Organisationsform kann ein solch großes Bauprojekt im dann beschlossenen Termin- und Kostenplan umgesetzt werden? Eine Hauptverantwortung der Maßnahme durch die Bauverwaltung des Landes lehnen wir auf Grund schlechter Erfahrungen bereits bei kleineren Projekten ab.
6.)    Darstellung eines realistischen Terminplans für das Gesamtprojekt bis zum Wiedereinzug von Oper und Ballett in den Littmann-Bau.

Variante B – Neubau einer Spielstätte für Oper bzw. Oper und Ballett – Sanierung des Littmann-Baus für anderweitige Nutzungen
1.)     Gibt es bauliche, betriebliche oder künstlerische Gründe, die für den Bau einer neuen Spielstätte sprechen?
2.)    Wo wäre ein möglicher Standort für eine neue Spielstätte für Oper oder Oper und Ballett in einem Neubau?
3.)    Welche Nachnutzungen wären im Littmann-Bau möglich und sinnvoll, falls dort Oper oder Oper und Ballett nicht mehr ihre Heimat hätten?
4.)    Berechnung der Kosten für die Sanierung des Littmann-Baus für eine künftige Nutzung jenseits der Oper, d.h. ohne Einbau einer Kreuzbühne.
5.)    Berechnung der Kosten für einen Neubau einer Spielstätte für Oper oder Oper und Ballett in der Qualität wie z.B. der neuen Oper in Kopenhagen, einschließlich eventuell notwendiger Grundstückskosten. Hierfür könnten auch Baukosten vergleichbarer Neubauten in Europa mit entsprechender Indexierung als Grundlage herangezogen werden.
6.)    Wo könnte das Kulissen- und Werkstattgebäude alternativ neu gebaut werden, sollte die Oper nicht mehr im Littmann-Bau spielen? Welche Baukosten würden für einen solchen Funktionsneubau entstehen?
7.)    Welche Mehrkosten bzw. sonstigen Nachteile im Betrieb würden durch eine dauerhafte räumliche Trennung zwischen Spielstätte und Kulissen- und Werkstattgebäude entstehen?
8.)    Was könnte als eine städtebauliche Entwicklung der bisherigen Fläche des Kulissen- und Werkstattgebäudes an dieser Stelle entstehen?
9.)    Welche Mehrkosten bzw. sonstigen Vor- und Nachteile würden durch zwei dauerhaft genutzte Spielstätten entstehen?
10.)    Darstellung eines realistischen Terminplans für das Gesamtprojekt mit Neubau (abhängig von der Grundstückverfügbarkeit) und Sanierung Littmann-Bau im Anschluss.
11.)    Erstellung einer realistischen Einschätzung wie lange Oper und Ballett noch im unsanierten Littmann-Bau mit der vorhandenen Technik bzw. den Auflagen des Brandschutzes aufführen können bzw. welche Investitionen in temporäre Maßnahmen notwendig wären um mit dem Terminplan unter 9.) konform zu gehen.

Als ersten Schritt beantragen wir:
Die Verwaltung setzt diesen Antrag so zeitnah wie möglich auf die Tagesordnung des Verwaltungsausschusses und beantwortet dabei die folgenden Verfahrensfragen:

1.)    Welche der ausgeführten Fragen zu den Varianten A und B kann die Verwaltung intern beantworten und für welche benötigt sie externe Unterstützung durch entsprechende Büros?
2.)    Welche Mehrkosten fallen für eine solche alternative Untersuchung der Varianten A und B gegenüber nur einer weiteren Planung von Variante A an?
3.)    In welchem Zeitrahmen kann eine solche alternative Untersuchung durchgeführt werden, um im Anschluss dann fundiert entscheiden zu können, welche Variante umgesetzt werden soll?
    
     
Alexander Kotz                 Jürgen Sauer        Iris Ripsam
Fraktionsvorsitzender

            
Fred-Jürgen Stradinger                                Esther Fingerle