Art der Veröffentlichung
Datum
21.11.2014

Brauchen Einkaufszentren Parkplätze?

Was für eine Frage, möchte man sagen. Selbstverständlich brauchen Einkaufszentren Parkplätze, und zwar ausreichend viele, damit die Kunden, die mit dem Auto kommen, dieses in nicht allzu weiter Ferne vom Einkaufsort abstellen können. Es nützt nichts, wenn die Parkmöglichkeit kilometerweit weg ist, so dass zum Erreichen des Einkaufszentrums noch ein strammer Fußmarsch unternommen oder wenn vorhanden, auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen werden muss. Gegen die beiden Fortbewegungsarten ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil, sie sind umweltschonend und ihre Nutzung in jeder Hinsicht vorbildlich. Doch die Erfahrung zeigt nun einmal, dass viele Kunden ihre Einkäufe, insbesondere große und schwere, mit dem eigenen Wagen erledigen.

Das wusste man auch beim Bau des kürzlich eröffneten Milaneo. Dieses große Einkaufszentrum mit 200 Läden und Lokalen in der Stuttgarter Mitte ist ein Magnet für die Menschen nicht nur aus Stuttgart, sondern auch aus dem weiteren Umland. Das ist gut und erfreulich, haben sich doch im Vorfeld manch kritische Stimmen vernehmen lassen, die der Stadt eine Übersättigung an Einkaufsmöglichkeiten zusprachen. Das Milaneo wie auch das neue Gerber tun der Stadt gut. Es entstehen Arbeitsplätze hier, es wird Kaufkraft hier gebunden und darüber hinaus gibt es positive Effekte, wie die Angebotsvergrößerung an innerstädtischem Wohnraum.

Doch zurück zum Shoppen im Milaneo. Wenn es jetzt heißt, dass nicht abzusehen war, dass mehr als die vorhandenen Parkplätze benötigt werden, ist das nicht richtig. Der Bauherr wäre bereit gewesen, deutlich mehr Parkplätze zu bauen. Doch man drückte die Zahl nach unten auf 1680 Plätze für den Gesamtkomplex. Die öko-linke Mehrheit plädierte sogar für eine noch geringere Stellplatzzahl. Die CDU-Fraktion hatte gut vernehmbar darauf hingewiesen, die Parkplätze nicht zu stark zu reduzieren – zum Glück. Denn hätten die anderen sich weiter durchgesetzt, wäre der jetzt eingetretene Negativ-Effekt, dass die umliegende Wohnbevölkerung aufgrund des vorherrschenden Parkdrucks leidet, wohl noch größer gewesen. „Leider gab es aufgrund der Mehrheitsverhältnisse von vornherein keine Basis, um mehr Parkplätze durchzusetzen“, erklärt Fraktionsvorsitzender Alexander Kotz. Die Quittung für die grün-rot-rote Haltung im Gemeinderat bekommen wir jetzt. Aber natürlich will es jetzt keiner gewesen sein.“

Weitsicht sieht anders aus! Selbstredend muss der öffentliche Personennahverkehr in seiner Nutzung gefördert werden. Und das Beispiel Milaneo zeigt ja, dass erfreulicherweise viele Menschen diesen Verkehrsträger gern in Anspruch nehmen. Doch klar ist auch, dass ein Einkaufszentrum ausreichend viele Parkplätze vorhalten muss, damit nicht ein Zuparken der umliegenden Wohnbebauung stattfindet. „Wir können uns glücklich schätzen, dass unsere Stadtverwaltung so rasch reagiert und zunächst provisorisch den Verkehr in den betroffenen Gebieten so regelt, dass die Anwohner bestmöglich vor Verkehr und Lärm geschützt werden.“

Die Taktik, das Auto durch das geplante Manko an Stellplätzen aus dem Stadtverkehr zu verdrängen, geht eben doch nicht auf. „Und wir“, so Alexander Kotz, „wollen – anders als es die grün-rot-rote Politik macht – den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihre Einkäufe erledigen sollen.“