Art der Veröffentlichung
Datum
23.07.2013

Gute Gründe für ein Miteinander beim Projekt Villa Berg

Eine schnelle und gute Rettung der Villa Berg ist notwendig und möglich, doch die Gemeinderatsmehrheit folgt dem Vorschlag des Oberbürgermeisters und nicht den guten Argumenten der CDU-Fraktion

Die Villa verfällt von Monat zu Monat mehr. Die Bevölkerung fordert von der Politik zu Recht die schnellstmögliche Veränderung dieses Zustands des permanenten Verfalls. Vonnöten ist die denkmalgerechte Sanierung und die Wiederöffnung für die Öffentlichkeit im Rahmen einer neuen Nutzung. „Diese Chance erreichen wir aber nicht in Konfrontation gegen dem Eigentümer der Villa, sondern nur im Miteinander“, macht Fraktionsvorsitzender Alexander Kotz unmissverständlich klar. Die Stadt halte zwar den Trumpf des Baurechts in der Hand – ohne neues Baurecht könne der Eigentümer mit der Villa nichts anfangen bzw. sie nicht nutzen. Aber der Eigentümer halte den Trumpf des Eigentums in der Hand – die Stadt könne ohne das Eigentum auch nichts an der Villa verändern. „Eine gegenseitige Blockierung darf nicht zu Lasten herausragender, historischer Bausubstanz in unserer Stadt geben.“

Die Stadtverwaltung hat die Hoffnung, mit einem Grundsatzbeschluss die Villa und Studios durch die Stadt zu erwerben, kurzfristig einen Schritt voran zu kommen. Diese Hoffnung wird sich sehr wahrscheinlich nicht erfüllen. Die Stadt möchte beide Komplexe für einen sehr günstigen Preis erwerben - das wird nicht geschehen. Die Eigentümerin wird auf Zeit spielen, und weiß, dass wenn die Stadt die Villa unbedingt erwerben möchte, mit der Zeit der Preis dafür steigen wird. Nachfrage regelt den Preis – es gibt nur eine Villa Berg und der Eigentümer wird das ausnützen. Es wird ein jahrelanges Verhandeln geben – währenddessen verfällt die Villa weiter, mit unwiederbringlichen Verlusten an der Bausubstanz. Eine Verpflichtung der Eigentümerin, die Villa über absolute Notmaßnahmen hinaus im Rahmen des Denkmalschutzes zu sanieren würde ein jahrelanges Gerichtsverfahren voraussetzen. Der Unterhalt für die Villa durch den Eigentümer ist in den kommenden Jahren minimal.

Die Villa ist gesichert, es fallen nahezu keine weiteren Kosten für den Eigentümer während der Zeit von Kaufverhandlungen an. Und am Ende wird die Stadt einen hohen Millionenbetrag für die unsanierte und weiter verfallene Villa Berg bezahlen müssen.

Anders sieht es aus bei dem „Modell zur schnellen Rettung der Villa Berg“. Die Eigentümerin hat am Freitag öffentlich erklärt, wenn man sich auf den Vorschlag das „Modell zur schnellen Rettung der Villa Berg“ einigt, würde sie der Stadt die Villa schenken. Die Stadt könnte sehr schnell die Sanierung angehen, im Doppelhaushalt 2014/15 könnten bereits Planungsmittel beschlossen werden. Parallel dazu könnte mit breiter Bürgerbeteiligung ein Nutzungskonzept für die Villa Berg entwickelt werden. Das alles mit der Sicherheit einer zeitnahen Sanierung und Wiedereröffnung der Villa Berg in altem Glanz.

Grundlage des „Modells zur schnellen Rettung der Villa Berg“ ist, dass die Eigentümerin in den Sendestudios ihre Planungen für ca. 150 Mietwohnungen umsetzen kann. Dieses Projekt ist vor dem Hintergrund des Mietwohnungsmangels in der Stuttgart grundsätzlich zu unterstützen. In bereits heute bestehenden Gebäuden können 150 neue Mietwohnungen geschaffen werden. Dies ist gerade auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit geboten – die meiste Energie bei der Erstellung eines Hauses steckt im Rohbau (Zement, Beton, Stahl). Dieser Rohbau ist beim vorliegenden Projekt schon vorhanden. Es wäre völlig unverständlich, an dieser Stelle mit hohem Energieeinsatz einen Rohbau zu zerstören, um einen neuen (auf dem Betriebshof am Rande des Parks) wieder mit großem Energieeinsatz zu erstellen. Hier müsste man einmal die Öko-Bilanz dazu erstellen, welcher Energieeinsatz für den Abriss der Sendestudios notwendig wäre und wie viele Jahrzehnte später an dieser Stelle die zu pflanzenden Bäume und Sträucher benötigten, um diese Öko-Bilanz ins Positive zu wenden?

Die immer viel gepriesene „Parkerweiterung“ würde sich zudem in sehr geringem Umfang halten, da die Gebäude und Zufahrten gerade einmal 3 bis 4% des Parks ausmachen, und zwar an einer Stelle, an der später keine wirkliche Aufenthaltsqualität herrschen würde. Denn es ist ein Steilhang mit Nordausrichtung, der sich sicher praktischerweise eignet, um von einem Ort zum anderen zu kommen, der aber sicher nicht ein Platz ist, wo man gerne verweilt. Und die wirklich komplette historische Sanierung des Parks wird an zentraler Stelle ohnehin nie erreicht werden, da der „Gutbrodbau“ mit immensen Ausmaßen dort unter Denkmalschutz steht und dieser Sanierung immer im Weg stehen wird.

Da der Investor bisher argumentierte, mit den Erlösen aus dem Mietwohnungsbauprojekt müsse die Sanierung der Villa quersubventioniert werden, ändert sich diese Ausgangslage im „Modell zur schnellen Rettung der Villa Berg“ ebenfalls. Im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages kann der Investor verpflichtet werden, mit Teilen seiner Erlöse entweder eine höhere Quote geförderten Wohnungsbau zu realisieren oder Teile des Parks zu sanieren, was auch dringend erforderlich ist. Durch die Tatsache, dass für Abriss und Wiederherstellung des Parks beim „Modell zur schnellen Rettung der Villa Berg“ keine Zuschüsse aus dem Sanierungsgebiet „Stöckach“ notwendig werden, sind die Chancen, im eigentlichen Stadtteil umfangreichere Sanierungsmaßnahmen gerade auch im öffentlichen Raum durchführen zu können, deutlich höher. Mit dieser Zielsetzung wurde das Sanierungsgebiet ja auch durch den Gemeinderat und Bezirksbeirat aufgelegt.

Da die Frage der finanziellen Belastungen für die öffentliche Kasse, sprich für die der  Stadt, bei den anstehenden Entscheidungen nicht entscheidend sein sollte, gibt es hierzu keine vertiefenden Ausführungen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die öffentlichen Kassen beim „Modell zu schnellen Rettung der Villa Berg“ um mind. 6-10 Millionen Euro entlastet werden (keine Grunderwerbskosten für Villa und Studios und keine Abriss- und Renaturierungskosten).

Zusammenfassung:

  • Im „Modell zur schnellen Rettung der Villa Berg“ kann diese planbarer, schneller und günstiger (weil keine Grunderwerbskosten) durch die Stadt saniert und wieder eröffnet werden.
  • In den ehemaligen Sendestudios entstehen mit großer Nachhaltigkeit ca. 150 neue Mietwohnungen, wenn von der Stadt gewünscht mit hohem Anteil gefördertem Wohnraum.
  • Der Park kann zeitnah umfassend saniert werden und ist nicht für über ein Jahrzehnt eine Baustelle.

Wer möchte, dass die Villa Berg möglichst schnell denkmalschutzgerecht saniert wird und die Türen der Villa wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden, der muss mit dem Eigentümer einen gemeinsamen Weg suchen und nicht die Konfrontation.

 

Der Gemeinderat hat mehrheitlich jedoch anders entschieden – er ist dem Vorschlag des Oberbürgermeisters gefolgt und hat für den Grundsatzbeschluss der Verwaltung gestimmt. Danach soll die Villa zwar ebenfalls wieder in städtische Hand, die ehemaligen Fernsehstudios aber abgerissen, die Flächen dem Park zugeschlagen und demzufolge keine Wohnungen gebaut werden. Damit vergibt sich die Stadt ein gute Lösung zur schnellen Rettung der Villa Berg. Das ist bedauerlich, denn gute Argumente sollten gegenüber Vorfestlegungen Vorrang haben.