Art der Veröffentlichung
Datum
26.02.2015

"KiTAS mit Engagement - Elterninitiativen bieten mehr"

Unter diesem Motto fand am 7. Februar 2015 der „Lange Tag der offenen Türen“ in den Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen statt. Der Dachverband der Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen e.V. hatte zum elften Mal bereits eingeladen, um Eltern die Möglichkeit zu geben, die Einrichtungen und deren pädagogische Arbeit vor Ort kennenzulernen. Insgesamt 42 Einrichtungen boten an diesem Tag den Blick hinter die Kulissen mit fachkundiger Beratung sowie Anmeldemöglichkeit.

Für die CDU-Gemeinderatsfraktion nahm die Sprecherin im Jugendhilfeausschuss, Iris Ripsam, die Einladung an und besuchte einige der Einrichtungen.

Wartelisten der Aufnahmegesuche sind lang

So war sie bei der Zwergenfarm e.V. im Stadtbezirk Degerloch, eine seit Jahren bestehende Einrichtung, in der zur Zeit 22 Kinder unterschiedlicher Altersgruppen betreut werden. Die Warteliste ist lang – 50 Eltern wollen hier einen Platz für ihr Kind, doch sind für das Jahr 2015 die Aufnahmekapazitäten bereits erschöpft.

Im Gespräch mit Connie Bertz, eine der Gründungsmütter des Vereins und aktiver Elternteil eines betreuten Kindes, und weiteren Aktiven der Einrichtung erfuhr die Stadträtin aus erster Hand auch von Sorgen, welche den Verein umtreiben. 

So hat sich beispielsweise seit dem Umbau einer Alten- und Pflegeeinrichtung in der Nachbarschaft die Parkplatzsituation verschärft. Da sich die Verkehrssituation um die Einrichtung herum jetzt insgesamt als unbefriedigend darstellt, wünscht man sich auf absehbare Zeit Abhilfe, indem alle Beteiligten einschließlich der Stadtverwaltung sich des Problems annehmen.

Lässt man die in der Einrichtung geführten Gespräche Revue passieren, ist festzustellen, dass den Eltern die Nähe der Kinderstätte zum Wohnort immer wichtiger wird. Das liegt nicht zuletzt an der Weitsichtigkeit der Eltern, die sich für ihre Kinder die Beibehaltung der Freunde beim Übergang in die Schule wünschen. Liegen Kita beziehungsweise Kindergruppe und Wohnort weit auseinander, ist das Kind bei der Einschulung in der Regel gezwungen, sich in eine ganz neu Gruppe einzuleben, ohne liebgewonnene Freunde aus der Kita dabei zu haben. Diese zur ohnehin großen Umstellung beim Schuleintritt hinzukommende Erschwernis im sozialen Bereich des Kindes muss nicht sein, weil eigentlich vermeidbar, wenn besagte Nähe von Schule und Kita gegeben ist.

Positiv hervorgehoben wird in den Gesprächen die gute Kooperation mit dem Jugendamt. Hier findet sich für die Einrichtung immer eine kompetente und hilfsbereite Kraft als Ansprechpartner, was die Arbeit spürbar erleichtert. Dass dennoch die Existenz und das Funktionieren der Einrichtung in erster Linie vom großen Engagement der Eltern abhängen, wird beim Besuch vor Ort überdeutlich.

Eltern sehen die Einrichtung gerne in der Nähe ihrer Wohnung

Eine weitere Etappe ihres Besuchstags markiert für Iris Ripsam die Einrichtung KiTA Berghasen im Stadtbezirk Stuttgart-West, die unter der Trägerschaft des Deutschen Kinderschutzbundes Ortsverband Stuttgart e.V. betrieben wird.

Die  Kindertageseinrichtung wurde im Februar 2011 eröffnet. Sie bietet Platz für 15 Kinder im Alter von eins bis drei Jahren. Ihr pädagogisches Konzept orientiert sich an den Leitgedanken von Emmi Pikler. Danach herrscht die Überzeugung vor, „dass Kinder sich die für ihre Entwicklung bedeutsamen Schritte selbst erarbeiten“ – „die Aufgabe des Erwachsenen ist es, eine Umgebung zu schaffen, die den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes gerecht wird“. Die Einrichtung bietet den Kindern eine großfamilienähnliche Lerngemeinschaft.

Einrichtungsleiterin Helene Flach steht gemeinsam mit mehreren engagierten Eltern an diesem Tag für Gespräche zur Verfügung, was eine echte Herkulesaufgabe ist angesichts des nicht enden wollenden Besucherandrangs.

Auffallend ist auch hier die lange Warteliste mit rund 80 Anmeldegesuchen. Wie überall bei den Eltern-Kind-Initiativen arbeiten die Eltern hier tatkräftig mit. Ihre jeweiligen Aufgaben werden „Ämtern“ zugeordnet. Ein Elternteil etwa – von Beruf Architekt – hat sich mit Zeit und Sachverstand in der Phase des Umbaus in besonderem Maße eingebracht. Eine Aufgabe, deren Herausforderung nicht zuletzt auch in der nicht immer einfachen Erfüllung der Vorgaben des Baurechtsamts bestanden hatte.

Gewissermaßen zum Selbstverständnis der Partner der Betreuungseinrichtung gehört, dass die Familien überwiegend in der näheren Umgebung wohnen und zu Fuß zur Einrichtung kommen. Ein kleiner Teil von ihnen benutzt die S-Bahn, die vor dem Haus hält.

Der größte Wunsch der Kita Berghasen ist, die Einrichtung auf den Altersbereich von drei bis sechs Jahren auszuweiten. Damit wäre eine durchgehende Betreuung bis zum Schuleintritt gewährleistet. Da die städtischen Haushaltsplanberatungen 2016/2017 sozusagen vor der Tür stehen, wäre ein „Vorstoß“ in diesem Sinne grundsätzlich denkbar.