Art der Veröffentlichung
Datum
28.04.2016

OB-Kampagne gegen Armuts-Prostitution schießt über das Ziel hinaus

Dass die Stadt gegen Armuts- und Zwangsprostitution vorgeht, ist richtig und lobenswert. Auch dass sie dazu eine Plakat-Kampagne initiiert, ist nicht zu beanstanden. Was die Texte beziehungsweise die Wortwahl auf diesen Plakaten angeht, ist jedoch nach dem Dafürhalten der CDU-Gemeinderatsfraktion die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

Zwar braucht es für die Botschaft eine Sprache, die zum Nachdenken anregt und die insbesondere die Freier erreicht, aber sie muss dennoch so gewählt sein, dass sie im Stadtbild, sozusagen im öffentlichen Leben „lesbar“ ist. Das bedeutet, dass insbesondere auch Kinder nicht mit einer Vulgärsprache konfrontiert werden, für die zu Hause, im Kindergarten und in der Schule zurecht eine Maßregelung erfolgt.

Im Falle der Plakat-Kampagne wird seitens der öffentlichen Hand, das heißt der Stadt Stuttgart, einer Sprachverrohung Vorschub geleistet. Die Kampagne wurde im Vorfeld nicht mit dem Gemeinderat abgestimmt – deshalb trägt der Oberbürgermeister die Verantwortung dafür. 

Daneben stellt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit die stadtweite Plakatierung den Betroffenen, den zur Prostitution gezwungenen Frauen, tatsächlich hilft. Möglicherweise wäre eine Kampagne, in welcher Form auch immer, direkt im Milieu deutlich effektiver.