Art der Veröffentlichung
Datum
19.02.2015

Prostituierte besser schützen

Ein Konzept zur Verbesserung der Situation der Prostituierten in Stuttgart liegt vor. Das ist gut, enthält es doch ein Bündel unterschiedlicher Maßnahmen, die gegen die Armuts- und Zwangsprostitution ausgerichtet sind. Der menschenwürdige Umgang mit sich prostituierenden Frauen ist konsensuales Hauptziel im Gemeinderat. Ein Umstand also, der es erleichtern sollte, das Ziel in absehbarer Zeit auch nachhaltig erreichen zu können. Stuttgart ist zwar sicher kein Negativ-Beispiel unter den deutschen und europäischen Großstädten, was die Verhältnisse im Rotlicht-Milieu angeht. Das Gegenteil ist eher der Fall. „Dennoch kann und darf das kein Hinderungsgrund sein, die persönliche und gesundheitliche Lage der Prostituierten zu verbessern. Es geht zudem darum, die betroffenen Frauen rechtlich zu stärken und vor Ausbeutung zu schützen“, sagt die Sprecherin der CDU-Fraktion im Beirat für Gleichstellungsfragen, Iris Ripsam.

So ist es an der Zeit, Handlungsansätze, wie Prostituierten besser geholfen werden kann, konkret zu beschreiben. „Die Angebote des Gesundheitsamts, niedrigschwellige Anlaufstellen und Hilfsangebote sind aufrechtzuerhalten und möglicherweise im einen oder anderen Bereich auszubauen“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beate Bulle-Schmid. Besonders unterstützenswert sei die Aufklärungskampagne, die sich insbesondere auf die Freier fokussiert. Diesen muss bewusst sein, dass Sex mit Minderjährigen sowie Zwangs- und Armutsprostitution ein Tabu sind. Sie müssen auch wissen, dass sie die Verantwortung für ihr Handeln tragen und dass die Menschenwürde stets zu achten ist. 

Das Leonhards- und das Bohnenviertel städtebaulich aufzuwerten, ist angesichts seines mitunter schäbigen Eindrucks ebenfalls zu begrüßen. So soll der ursprüngliche Charakter des Altstadt-Viertels wieder besser zur Geltung kommen. Mit der konsequenteren Anwendung geltenden Baurechts sollen entsprechende Vorgehensweisen flankiert beziehungsweise das derzeitige Ausmaß des Rotlichtmilieus zurückgedrängt werden. „Wenngleich der Stadt diese Attraktivitätssteigerung in ihrem Zentrum gut ansteht, wollen wir sie in erster Linie doch als Mittel zum Zweck verstanden wissen. Das heißt, sie soll hier vor allem zur Verbesserung der Lebenssituation der Prostituierten beitragen“, so Stadträtin Iris Ripsam.

Stadträtin Beate Bulle-Schmid: „Die oft aus osteuropäischen Staaten kommenden und unter Zwang arbeitenden jungen Frauen haben keine hörbare Stimme in der Gesellschaft. Umso mehr ist hier die Politik gefordert und zwar auf allen Ebenen!“